Konstruktiver Pessimismus

Die meiste Zeit denken wir, Optimismus, eine positive Sicht auf die Welt sei das Ziel, die ultimative Stufe, die wir Alle versuchen zu erreichen, und dann wenn man da ist, dann läuft's. Wir denken Künstler, wenn sie etwas kreieren, dass wirklich gut ist, entsteht dies aus dem ultimativen Flow, wenn es richtig leicht von der Hand läuft. Wir denken, wenn ein Gemälde wirklich gut ist, dann ist der Künstler völlig in seinem Element, er weiß genau, was er tut und es wird dann genau so, wie er es sich vorstellt, und wenn ein Autor ein Buch schreibt, dann schließt er sich in einen Raum, schreibt es in Einem runter und schaut erst wieder auf, wenn er glücklich und zufrieden damit fertig ist. Aber die Wahrheit sieht meist nun mal anders aus.

In Wahrheit überarbeiten diese Leute oft über lange Zeit hinweg, einsam, wieder und wieder dasselbe Projekt. Ein Schriftsteller schreibt eine Stelle wieder und wieder, bis sie sich endlich richtig anfühlt, ein Maler übermalt ein und dieselbe Stelle bis sie irgendwann seinen Vorstellungen entspricht. Ein Regisseur dreht dieselbe Szene unendlich viele Male bis er die entscheidende Veränderung getroffen hat.

Doch was haben diese Momente gemeinsam, wenn jemand entschließt, sich voll und ganz seinem Projekt zu widmen, bereit, die extra Arbeit reinzustecken? Nach dem Motto: Jetzt erst recht! Sie entstehen aus einem Zustand der Unzufriedenheit. Ein objektives Betrachten der eigenen Kreation und dem Entschluss: das ist noch nicht gut genug! Denn Zufriedenheit ist der Feind des Fortschritts!

Natürlich könnte dieses Wissen auch leicht dazu führen aufzugeben. Und in vielen Bereichen tut man das auch, wenn es einem nicht so wichtig ist, dass man bereit ist die extra Arbeit reinzustecken. Nehmen wir Ballspielen zum Beispiel. Ich bin definitiv nicht gut darin und das weiß ich. Aber ich habe keinerlei Bedürfnis etwas dagegen zu tun. Ich kann gut damit leben, weil mir dieser Bereich nicht wichtig ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir Fortschritte darin persönlich weiterhelfen, aber trotzdem habe ich hin und wieder Spaß daran. Aus anderen Gründen dann, in dem Fall um unter Menschen zu sein, an der frischen Luft, in Bewegung. Doch wenn man dann einen Bereich gefunden hat, der es einem wert ist, dann hat das großes Potential. Und das klingt jetzt so, als ob ich denke mit Übung kann man alles erreichen, "Talent" gibt es nicht. Doch so wie ich das sehe ist "Talent" die Fähigkeit zu erkennen wie man sich verbessern kann. Erkennen zu können, was noch nicht ganz passt und wie man das ändern kann.

Was viele Leute nicht können ist Bereiche im Leben zu analysieren und zu bewerten, wie wichtig es einem ist, gut darin zu sein und warum. Denn es gibt Leute die machen sich todunglücklich mit dem Versuch, in jedem Bereich immer der Beste zu sein. Immer besser als die anderen Anwesenden. (Was auch wieder Quatsch ist, denn der Vergleich mit der kleinen Gruppe von anwesenden Personen sagt nichts darüber aus wie gut oder schlecht jemand im großen ganzen ist.) Diese Leute vermeiden dann oft Dinge die ihnen eventuell Spaß machen würden wenn sie den Wettkampf weglassen würden(Das Wettkampfdenken ist ein Problem für einen anderen Tag).

Andere wieder, und das war mein persönliches Problem für eine Weile haben gar keine Lust mehr in irgendetwas gut zu sein, vielleicht aus Protest gegen die Angeberei, oder die vermeintliche Sinnlosigkeit von Bewertungen oder Vergleichen jeglicher Art. Das ist auch wieder Quatsch, denn man braucht natürlich irgendetwas, das einen anspornt, worauf man hinarbeiten kann und will. Man braucht nur die richtige Motivation.

Also Fazit: Finde dein Ding, das was dir Spaß macht, in dem du einen Sinn findest, das dich erfüllt, bei dem du das Gefühl hast, es bringt dich als Person weiter, und du tust es nur für dich und deine persönlichen Ziele und dann arbeite dir den Arsch ab um dich zu verbessern. Arbeite jede freie Minute um dich zu verbessern. Sei kritisch aber lass dich nicht entmutigen. Denn wenn man auch mit dem Wissen, dass man nicht gut genug ist dran bleibt dann kann etwas wirklich Gutes dabei rauskommen. Denn nichts schlägt das belohnende Gefühl eines vollkommenen Projekts.

EmmaComment