Über die Einsamkeit

Wir alle kennen das Gefühl der Einsamkeit. Und es ist eins der Seelenzerfressendsten Gefühle, die es gibt. Das Gefühl, das es keinen interessiert, was man tut oder ob es einem gut geht ist schmerzhaft. Vor allem jetzt, an den Tagen an denen es immer dunkler wird, kälter, bedrohlich. Da gibt es keine bessere Vorstellung, als sich mit jemandem zusammen vor den warmen Kamin zu kuscheln.

Doch was genau ist Einsamkeit? Wann fühlen wir uns einsam? Nämlich nicht immer, wenn wir alleine sind. Man kann sich auch in der größten Menschenmenge einsam fühlen. Und manchmal da am meisten.

Per Definition ist Einsamkeit: das von anderen Menschen getrennt und abgeschieden Sein. Oft wird mit Einsamkeit eine negativ konnotierte Normabweichung oder ein Mangel verbunden. Es beschreibt also das Gefühl, das etwas fehlt. Man sehnt sich nach etwas, das man nicht hat und nicht haben kann.

Menschen haben sehr unterschiedliche Empfindungsstufen und Level, ab wann sie sich einsam fühlen. Beim Gespräch mit Freundinnen fällt mir das immer extrem auf. Manche Leute mögen es einfach nicht alleine zu sein, sie hätten vorzugsweise immer jemand bei sich, Tag und Nacht, zu jeder Minute. Deshalb kenne ich viele Leute die sich frisch aus dem Elternhaus in eine ernste Beziehung stürzen. Einfach um immer jemanden zu haben, mit dem sie ihr Leben teilen können. Zu dem sie nach Hause kommen können am Ende des Tages. Aber mich zum Beispiel stört dieser Aspekt. Ich freue mich endlich mal meine eigenen Entscheidungen treffen zu können ohne mich rechtfertigen, erklären oder absprechen zu müssen. Ich funktioniere auch einfach besser wenn ich Dinge mit mir selbst bespreche, weil mir der lange Erklärungsteil an jemand außenstehenden oft wirklich anstrengend und zeitaufwändig vorkommt.

Ich glaube das hat viel damit zu tun, ob man ein Introvert oder Extovert ist. Diese Begriffe sind viel zu wenig geläufig in der deutschen Sprache finde ich, da extrem hilfreich und vielsagend wenn man sich und andere identifiziert hat. Introverten laden ihren Energietank auf, wenn sie alleine sind. Sie können sich da am meisten entspannen. Sie können die Gesellschaft anderer genießen, doch es laugt sie aus, es strengt sie auf Dauer an. Extroverten dagegen laden ihren Energietank auf, wenn sie umgeben von Leuten sind. Sie können sich aufbauen und gegenseitig anstecken mit der Energie untereinander.

Viele Menschen empfinden das Single-Dasein automatisch als Einsamkeit. Sie denken, es weicht ab vom Normalzustand, dem Pärchen-Dasein, und daher fehlt etwas, es ist die Abwesenheit von etwas. Doch eigentlich sollte der Normalzustand doch das eigenständige Dasein einer Person sein. Wenn zwei Leute selbstständig sind kann daraus auch eine gute Beziehung entstehen, und wenn es nicht klappt weiß man auch das man klar kommt. Keine ist auf den anderen angewiesen. Sonst passiert noch sowas blödes, wie, das man in einer Beziehung bleibt die eigentlich nicht funktioniert, einfach um nicht alleine zu sein und das kann dann echt ungesund und unangenehm werden, für beide Seiten.

Also manche Menschen können das Alleinsein genießen und empfinden es nicht gleich als Einsamkeit. Was ist Einsamkeit dann? Ich denke Einsamkeit hat nichts damit zu tun, wo man sich körperlich gerade befindet sondern viel mehr mit der allgemeinen Menge und Tiefe an menschlichen Beziehungen die man bestehen hat. Es ist das Gefühl das wenn man versuchen würde jemand zu erreichen, jemand um Hilfe zu bitten oder jemand um Rat zu fragen, dass dann jemand da wäre für einen, jemand sich um einen sorgt und dafür interessiert was man tut, dann ist das ein großer Sieg gegen das Gefühl der Einsamkeit. Man kann sich durchaus trotzdem einsam fühlen. Manchmal sehnt man sich nach etwas, irgendeiner menschlichen Nähe die man selbst nicht so ganz beschreiben kann. Die es möglicherweise auch gar nicht gibt.

Dann denke ich ist es wirklich gut und wichtig die eigene Einsamkeit mal kennenzulernen und sich ihr zu stellen. Jeder sollte durch die Phase gehen in der man sich löst von der konstanten Gesellschaft von Familie und Co. und mal wirklich Zeit mit sich selbst zu verbringen. Die eigene Gesellschaft zu schätzen lernen, denn wenn man das wirklich kann, dann kann man dieses tiefe Level an Einsamkeit nie mehr erreichen, denn sich selbst als Gesellschaft kann man nie mehr verlieren.

Meine persönlichen Tipps gegen die Einsamkeit: Ich gehe an einen Ort mit Menschen. Fremden Menschen mit denen ich nicht reden muss. Also ein Café oder Kino oder einfach in die Stadt um in den Fußgängerzonen zu bummeln. Allein. Aber als Teil von der Menschenmasse. So unsichtbar, das man dazu gehört. Dann fühle ich persönlich mich am wohlsten. Ich kann mich meinen eigenen Gedanken widmen und Menschen beobachten (wer liebt diese Beschäftigung nicht) – a la Downtown von Petula Clark - ein Lied, das dieses Gefühl perfekt beschreibt.

Also, wenn wir uns mal wieder dabei ertappen wenn wir uns einsam fühlen dann treffen wir mal aktiv die Entscheidung unsere eigene Gesellschaft zu schätzen. Man kann auch alleine die ganzen Sachen machen die Spaß machen, einen Filmabend daheim, ins Kino gehen, lesen, ein Puzzle machen, malen, ein neues Hobby finden wie stricken, nähen, ein Instrument spielen, was leckeres kochen oder backen die möglichkeiten sind tatsächlich endlos.

Wie Donnie Darko so schön ausdrückt: „every single creature on earth dies alone". Man ist eigentlich immer allein, denn niemand kann uns jemals wirklich verstehen, da niemand in unseren Kopf schauen kann. Und das sollte keine traurige Erkenntnis sein, sondern eine weiterhelfende. Bei allem was wir akzeptieren müssen, müssen wir so tun als wäre es unsere eigene Idee sonst hält es einen zurück.