Hab ich irgendwas zu sagen?

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Als junger Mensch und vor allem als Mädchen haben wir ständig dass Gefühl nichts wichtiges zu sagen zu haben. In der Schule lernen wir leise dazusitzen und zuzuhören, weil wir alles wissenswerte eingeträchtert bekommen müssen. Wir kommen nur zu Wort wenn wir Alles wortgenau wieder auskotzen was uns eingeflößt wurde und sollen unsere eigene Meinung fern halten.

Wir sollen uns einordnen in die Masse und möglichst wenig auffallen. Nur so funktioniert die große Maschine der Gesellschaft. Sobald wir vom Schulsystem ausgelutscht und ausgespuckt werden, eingeteilt in klare Kategorien irgendwo zwischen dumm und schlau, jegliche individualität ausgesaugt, möglichst gleich gut in allen Bereichen dürfen wir dann (ganz frei natürlich) auswählen wie wir uns denn nun möglichst reibungslos in das System integrieren wollen. (Abhängig von deinem Support system und finanzieller Unterstützung)

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Falls wir an der Schwere dieser Lebensentscheidung nicht zerbrechen, haben wir und für einen Bereich entchieden, der unseren Interessenbereich umfasst. Da diese Entscheidung blind und ohnen jegliche Vorkenntnis über den eigentlichen Inhalt einer Berufes, da ausserhalb des Lehrplans liegend, getroffen wurde ist es nun eine Frage des Glücks ob die Aufgabenbereiche später tatsächlich zu uns passen.

Solltest du mehrere Interessen haben, die nicht im selben Bereich liegen, oder eventuell ein weniger profitables Hobby, tut mir Leid aber dann bist du im Arsch denn Geld braucht man zum leben und um deinen Wert als Mensch zu bestimmen.

Dann sitzt du in einem Studium oder einer Ausbildung und schon wieder hast du Leute die auf dich einreden. Nun wird erwartet, dass du das gelernte ein bisschen schneller und genauer wieder ausspuckst. Doch Viel zu sagen oder frei zu entscheiden hast du immer noch nicht.

Jetzt sind wir langsam ausgewachsene Erwachsene und voll entwickelt. Mental heisst das bei den meisten nicht viel, da selbstständig zu denken und eingene Meinungen zu haben noch nie erwartet oder gefördert wurde. Und ehrlich gesagt kommt man so auch ganz gut durchs Leben, man hört zu und tut was einem gesagt wurde. Meinungen wie politische Haltung übernimmt man am besten aus der direkten Umgebung um Unstimmigkeiten zu vermeiden.

Dann sehen wir die nächsten Ziele: Finanzielle Stabilität, Heirat, Familie und Niederlassung bis zum Tod.

Das würde vielleicht sogar alles ganz gut funktionieren, wenn da nicht bei manchen von uns langsam eine Frustration hochsteigen würde, ganz tief aus dem Inneren. Ein verlangen nach Mehr. (Jaja, dramatisch aber wahr oder?) Dann merken wir plötzlich, das läuft alles nicht so ganz nach unserem Geschmack. Wir wollen irgendetwas rufen, aber können gar nicht in Worte fassen, was uns stört. Weil wir nie gelernt haben eigene Gedanken zu formen oder zu hinterfragen warum wir unser Leben nach diesem einen Plan gestalten müssen.

Also was tun wir? Entweder wir verzweifeln daran und reden uns ein dass wir nicht schlau genug sind und nicht genug wissen damit unsere Meinung etwas wert ist oder überhaupt Etwas ändern können und machen weiter wie geplant mit dem kleinen, faulenden Teil der Unzufriedenheit in einer Ecke ODER wir tun etwas dagegen. Wir überlegen uns, was uns stört und wie wir etwas ändern können. Wir informieren uns und suchen uns ein Outlet. Es ist okay sich eine Meinung zu bilden, es ist okay wenn man damit aneckt, es ist eine gute Sache Diskussionen zu entfachen.

Es ist wichtig und gut sich bloßzustellen und zuzugeben wenn man nicht einer Meinung ist mit jedem um sich herum. Und ja, man kann dann durchaus noch befreundet sein, denn man muss dem anderen die eigene Meinung ja nicht aufzwängen. Man kann die Meinung von jemand anderem akzeptieren.

Informationen sind wichtig um sich eine Meinung zu bilden, egal worum es geht. Es ist ignorant einfach mit dem ersten Instinkt zu gehen und dann darauf zu beharren. Man muss sich eingestehen können wenn man falsch liegt. Das braucht komischerweise unglaublich viel Kraft und Selbstsicherheit die nicht durch Meinungen definiert ist, aber es ist eine super Eigenschaft laut sagen zu können: ich lag falsch, du hast recht. Ich sehs jetzt ein. Und das macht einen ja nicht dumm sondern sehr intelligent. Denn je mehr man weiß, desto klarer erkennt man, dass man gar nichts weiß. Ich denke immer es gibt zwei Gruppen von Menschen: die, die gerne immer die intelligentesten im Raum sind (um den Raum kontrollieren zu können und sich überlegen zu fühlen), und die, die immer die dümmsten im Raum sein wollen ( weil sie lernen wollen und sich verbessern).

Also: in einer Welt, in der wir lieber einen perfekten, angepassten Schein zeigen wollen, sei mutig und denke für dich selbst. Habe Mut zur Lücke und akzeptiere dass du nicht perfekt bist, genau wie alle anderen. Aber das gehört zum Menschsein dazu. Trau dich verletzlich zu sein und habe keine Angst vor dem Hass der Leute, die die Dinge anders sehen als du! Das spricht nur für dich!

Lasst uns das klar sagen, wenn uns was nicht passt, besonders als Frauen mussten wir zu lange leise, bescheiden und sanft nicken und zustimmen. Lasst euch nicht in die Form pressen. Deine Meinung zählt und du verdienst es, gehört zu werden!